Vater des Hüttenjazz - Ivo Müller ist Gitarrist mit Leib und Seele
Ivo Müller kam spät zur Musik. Und der Jazz-Gitarrist entdeckte sein Organisationstalent in Völklingen. Seitdem ist die Reihe Hüttenjazz ein Renner bei Musikliebhabern. Wir stellen heute den Saitenkünstler etwas näher vor.
Saarbrücker Zeitung vom 28. Mai 2004
Von SZ-Mitarbeiter Stefan Uhrmacher
Saarbrücken/Völklingen. Bei urigem Blues ist er genauso zu Hause wie in den Gefilden von Pop, Rock und Folk. "Was mich wirklich interessiert, ist aber die Vielschichtigkeit des Jazz", sagt der Gitarrist Ivo Müller - er zählt zu den flexibelsten Musikern im Saarland. Außerdem ist der Wahl-Völklinger, der die Musik nicht als Broterwerb betreibt, auch noch als Konzert-Organisator aktiv und Vater der Völklinger Erfolgsreihe Hüttenjazz.
Erst lernte er Banjo
Ivo Müller war schon 16 Jahre alt, als er zum ersten Mal ein Instrument in die Hand nahm. Bis zum Jazz war's da noch ein weiter Weg. Seine Eltern, die ehemalige Moderatorin Christa Adomeit und der einstige Chefsprecher Otto-Karl Müller, beides bekannte Stimmen des Saarländischen Rundfunks, hätten ihren Söhnen die Musik nicht unbedingt nahe gebracht, erinnert sich Ivo, sie aber auch nicht gehindert. "Wir haben uns das selber erschlossen", so der heute 43-jährige: Der Bruder lernte Gitarre, Ivo zunächst Banjo. Zuvor hatte er im zarten Alter von zehn Jahren den Hitparaden-Songs gelauscht und ab 13 eine Phase durchlebt, "wo ich mich wahnsinnig für Klassik interessiert und auf der Fensterbank Piano gespielt habe, allerdings ohne Piano".
Zum Jazz kam Ivo dann freilich nicht über das Banjo, sondern über die Tradition der American Folk Music: Bob Dylan und Pete Seeger waren angesagt. Mit 17, 18 ist er "direkt zum Blues gestolpert". Ivo übte sich auf der akustischen Gitarre in der Zupftechnik des Fingerpickings. "Die Entwicklung ging zwangsläufig weiter, straight zur E-Gitarre, zu Albert King, Eric Clapton, den Stones", berichtet Müller, der damals in einer Combo mit dem ebenfalls bekannten Saitenkollegen Bernd Dahlmanns rockte. Über den kam Ivo Müller schließlich zum Gitarrenlehrer Heiner Franz und zum Jazz. Da war er schon weit in den 20ern.
Szene-Kennern geläufige Projekte wurden "Jazzica" und die erfolgreiche Formation "Riptide" mit Matthias Ernst. Haupt-Combo des Gitarristen ist heute das hervorragende Trio "HammondEx" mit Matthias Ernst (Hammond-Orgel) und Hendrik Schneider (Schlagzeug).
Ivos Aktivitäten als Veranstalter begannen nach seinem Umzug von Saarbrücken nach Völklingen 1997. "Nachdem ich in Völklingen war, habe ich die Fühler ausgestreckt, was hier los ist": Kontakte zu Kulturamt und Weltkulturerbe keimten, Ideen wurden ausgetauscht, Pläne geschmiedet. Im Jahr 2000 erblickte der Hüttenjazz das Licht der Welt, damals noch zwei kleinere Reihen mit je drei Terminen. 2004 sind es vom 2. Juli bis 27. August elf Konzerte mit saarländischen Musikern, so lautet nach wie vor das Konzept. "Die Reihe ist ein großer Erfolg, weil sie allen Beteiligten etwas bringt", freut sich Müller, "angefangen von den Musikern, die gerne da spielen. Gewinner ist auch das Publikum, das für kostenlosen Eintritt tollen Jazz geboten bekommt in schönem Ambiente mit Saarland-typischer Verköstigung. Und wir haben's dann auch noch so eingerichtet, das jedesmal die Sonne scheint." Wollte Ivo Müller irgendwann mal Profi werden? "Wenn man mich fragt, wie ich mich fühle, dann die meiste Zeit als Musiker."
Reisen nach New Orleans
Ich habe eben einen Weg gefunden, mich und mein Leben zu finanzieren, und mache das nicht ungern." Beim Gedanken an's Profi-Dasein würden die wirtschaftlichen Zwänge einem immer schnell davon abraten. "Wenn sich zu einem früheren Zeitpunkt die Chance ergeben hätte, mich von der Musik zu ernähren, dann hätte ich das eine Zeitlang gemacht", sinniert er. Aber er habe sich erst am Ende des Studiums "richtig für Musik interessiert". Sein Vorteil: "Ich habe die Freiheit, in der Musik die Sachen zu machen, die mich interessieren, und nicht Dinge tun zu müssen, die mich ernähren."
Wert und teuer für die Zukunftsplanung Ivo Müllers, der übrigens auch Geburtshelfer des Völklinger Jazzworkshops International Jazz Holidays (19. bis 23. Juli) von Heiner Franz ist, sind ihm die Erfahrungen, die er bei zwei Reisen nach New Orleans gesammelt hat. "Das hat bewirkt, dass ich den Jazz anders sehe." Die Blue-Note-Eindrücke will er in seine Musik übersetzen.