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Das Heimorgel-Revival
Jazz im Match-Point diesmal mit HammondEx

 
- Von JÜRGEN KÜCK - für die Saarbrücker Zeitung vom 26.08.2003
 
Völklingen. Wer schleppt bei 30 Grad Hitze eine Orgel zum Tennisplatz? Das werden sich am Sonntagmorgen manche Spaziergänger in der verlängerten Stadionstraße gefragt haben. Etwas später konnten sie erleben, dass sich die Plackerei gelohnt hat: In der Reihe Jazz im Match-Point demonstrierte das Trio HammondEx, wie Vollblutmusiker die gute alte, eigentlich ausgestorbene Heimorgel zu neuem Leben erwecken.
 
Kein Vergleich mehr zu der riesigen Eiche-rustikal-Kommode, die zur Biedermeierzeit in manchem Wohnzimmer stand und von der Dame des Hauses bei festlichen Anlässen bespielt wurde. "Wer so ein Monstrum mal in seiner Wohnung hatte, konnte nicht mehr umziehen, denn der Transport wäre eine Zumutung gewesen", sagt Ivo Müller, Gitarrist des Trios und guter Geist verschiedener Jazz-Veranstaltungen in der Stadt.
 
Zusammen mit dem Drummer Hendrik Schneider und dem Hammond-Organisten Matthias Ernst gründete er die Formation, um auch hier zu Lande die aparte Instrumentalisierung bekannt zu machen. Der Amerikaner Laurens Hammond hatte Küchenuhren konstruiert und nebenbei eine Hausorgel gebaut. Diese wurde in den USA in den sechziger Jahren schon einmal als Jazz-Instrument eingesetzt, dann aber von der synthetischen Musik verdrängt.
 
Und warum HammondEx? Anklang an das englische Frühstück Ham and eggs? Oder als Aufforderung, den jazzigen Sound bis zur Neige zu genießen? "Von allem ein bisschen", sagt Matthias Ernst, "aber wir könnten auch HammondIn heißen." Rund hundert Kilo wiegt das gute Stück trotz Modernisierung immer noch, und Ähnlichkeit mit einem Holzschrank hat es auch nicht mehr. Wohl aber das Zubehör: Immer dabei ist ein geheimnisvoller hüfthoher Holzschrank, in dem, so Müller, "sich das Wesentliche abspielt". In der Zaubertruhe rotieren nämlich drei Lautsprecher, "alles analog und mit viel Mechanik", wie der Hammond-Organist stolz erklärt. "Da rappelt es ab und zu, und ein bisschen verstimmt klingt es auch schon mal, aber das gehört dazu."
 
Die Liebe zu dieser handgemachten Musik merkt man dem Trio an, und so widmeten sie dem Erfinder der Rotationsbox, dem Amerikaner Don Leslie, extra ein Stück mit dem Titel "Dear Mister Don". Gar nicht verstimmt waren jedenfalls die über 80 Besucher bei diesem jazzigen Brunch mit Kaffee, Schnitzel und auch Pommes frites.
 
Die Gruppe HammondEx servierte an diesem Morgen Jazziges aus New Orleans, aber auch viele bisher unbekannte Titel von ihrer neuen CD. Match-Point-Inhaber Wolfgang Schneider musste derweil immer wieder neue Stühle und Bänke herbeischaffen. Er veranstaltet diese Jazzreihe gemeinsam mit den Völklinger Stadtwerken und dem Verein Kulturgut, und schon bei diesem dritten Termin ist klar: Auch diese Serie hat sich in Völklingen gut etabliert.