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Groove hoch drei im Gewölbe
"Jazz am Donnerstag" im Saarbrücker Kleinen Theater im Rathaus startete zur zweiten Runde

 
Saarbrücken. Kaum zu glauben, der in Saarbrücken derzeit erfreulich boomende Jazz hat noch eine Adresse mehr: Bereits seit Januar keimt im Saarbrücker Kleinen Theater im Rathaus die Reihe "Jazz am Donnerstag". Nach vorsichtigen Anfängen geht Theaterchef Christian Caimacan jetzt in die Vollen. "Auf Anfrage von Musikern", so erzählt er, wurde die Reihe erweitert. Und so heißt es bis einschließlich Januar zweimal im Monat "Made in Saarland". Caimacan will "sehen, ob es ankommt" und weitere Termine dann vielleicht um das ein oder andere überregionale Ensemble bereichern.
 
Zur Eröffnung gab's nun einen besonders bunten Abend: Combos der beginnenden Spielzeit boten einen Überblick über die hier vorgesehene, stilistisch breite Palette von Blue-notes mit Unterhaltungs-Charakter bis hin zu experimentelleren Tönen.
 
Wenn auch noch mancher Stuhl leer blieb, so empfing einen die kleine Bühne im Ratskeller dennoch mit entzückendem Flair: Das betagte Gewölbe war immer schon einen Besuch wert, die wunderschönen Holzpuppen aus den Theterstücken, welche heute die Wände zieren, machen die heimelige Atmosphäre komplett - zudem erfreut den Jazzfan ein sehr transparenter Sound. Schade nur, dass "JanTonic" wegen Erkrankung mehrerer Musiker absagen musste. Auch im übrigen Programm gab's mancherlei - interessante - Änderungen. Matthias Ernst trat nicht wie angekündigt mit dem Matthias-Ernst-Trio auf, sondern mit seinem neuen Orgel-Dreier "HammondEx". Eine hervorragende Combo, in der Ivo Müller (Gitarre), Hendrik Schneider (Schlagzeug) und Ernst (hier erstmals mit einer Original Hammond!) bei coolen Melodien und heißen Rhythmen ihre Talente optimal bündeln - Groove hoch drei!
 
Stimulierende Rhythmen ebenfalls vom Duo Christof Thewes (Posaune) und Chris Klein (Gitarre), das bei einer anspruchsvollen Thelonious-Monk-Hommage ereignisreich und mit viel Spielwitz kooperierte: Dabei rief sich Klein (früher "Engels Q") als einer der versiertesten Saar-Gitarristen in Erinnerung: mit persönlicher Note. Das "Rudy Schaaf Trio" swingte schließlich ebenfalls in veränderter Besetzung. Mit Jochen Krämer (Schlagzeug; für Michael Lakatos) und Gast Burdette Becks (Flöte, Gesang; für Laurie Ellington) hatten Combochef Schaaf (Kontrabass) und Martin Preiser (Klavier) zu ihrer Kreuzfahrt von Davis bis Hancock freilich zwei Cracks ins Boot genommen, die für musikalische Überraschungen und Show-Flitter sorgten - Becks flötete und scattete sogar mitten im Auditorium.
 
Stefan Uhrmacher für die Saarbrücker Zeitung vom 17.10.2002