Eine tiefe Liebe zur Orgel
Das Trio HammondEx beim Völklinger Hütten-Jazz
- Von JÜRGEN KÜCK - für die Saarbrücker Zeitung vom 12. August 2002
Völklingen. "Diese Freitags-Serie hat richtig Fahrt bekommen, und heute starten wir mit einer Spezialität!" Mit diesen Worten begrüßte Hausherr Meinrad Maria Grewenig rund 170 Besucher beim fünften Hütten Jazz auf dem Zimmerplatz. Das rasante Musik-Vehikel, das der Generaldirektor des Weltkulturerbes meinte, parkte am Rand der Bühne mit dem Kennzeichen Roland VK 77.
Die Jazz-Fans wussten Bescheid: Das Trio HammondEx spielt Jazz in der Tradition der klassischen Orgel-Trios. Moment mal! Eine Hammond-Orgel als Jazz-Instrument? Gab es da nicht im vergangenen Jahrhundert solche Alleinunterhalter, die auf Dorffesten den Leuten zum Schwof aufspielten? Und früher noch, im späten Biedermeier, saßen wohlerzogene Töchter an diesen Eiche-Rustikal-Kommoden und mussten der hochgeschlossenen Familie Rührstückchen vorspielen. Und jetzt greift der gestandene Jazzer Matthias Ernst in diese Tasten und checkt mit Gitarrist Ivo Müller, Initiator der ganzen Jazz-Reihe, und Drummer Hendrik Schneider den Sound der Kiste. "Hammond ist meine heimliche Liebe", gesteht Ernst, womit er nicht den Erfinder Laurens Hammond meint. Der war Elektromechaniker und besonders stolz auf seine Konstruktion von Küchenuhren. Seine Hausorgel machte aber schon als Jazz-Gerät Karriere in den USA der 60er Jahre, wie Ernst berichtet: "Die synthetische Musik verdrängte dann das Organ, das nun seit ein paar Jahren eine Renaissance erlebt."
Der Name des anglophilen Trios entstand aus Liebe zum englischen Frühstück (Ham and eggs), aber auch aus Trotz: "Hammond-In wäre auch möglich!"
Und dann legen sie los, die Ohren der Freitagsgemeinde trinken Hammond auf Ex: "Lauter unbekannte Sachen" versprach der Organist, und jedes der elf Stücke ist ein Erlebnis für sich: kraftvoll, groovig, rockig und immer Jazz, wie er heute in New Orleans gespielt wird. Roland VK 77 hackt den Rhythmus, malt Melodien, dominiert die Gitarre und breitet ihr einen Klangteppich aus. Füße wippen mit, und keinen stört es, dass eine Regenwolke über dem Platz verweilt und das Konzert begießt. Als Jazz unterm Schirm geht es weiter, und bei der Eigenkomposition "Dear Mr. Don" von Matthias Ernst richten sich die Blicke auf einen kleinen Holzschrank im Hintergrund: Es war der Liebe Don Leslie, der den geheimnisvollen Verstärkerkasten konstruiert hat, in dem, so Ernst, "sich das Wesentliche abspielt".
Nach dem achten HammondEx-Triolog "Comes Love" mit der Solistin Suzanne Dowaliby-Kipper: Die kraftvolle und wandlungsfähige Stimme dieser Sängerin und Choreografin harmoniert perfekt mit Orgel und Gitarre. Mit dem Powertitel "Barefooting" endet die Funky-Tour. "An den Hammond-Sound als Jazz musste ich mich zuerst gewöhnen", sagt Helmut Berger, "aber dann fand ich die Kombination mit der Gitarre doch sehr interessant." "Nicht sehr begeistert" ist Free-Jazz-Fan Manfred Seiler, während Irene Scholl die Musik genossen hat: "Die Musik war interessant, und die entspannte Gartenwirtschaft-Atmosphäre rundet den Besuch hier wunderbar ab."